Foto: Goms, Dezember 2011

Von der Hängematte auf den Berggipfel
Wie ich vom Bewegungsmuffel zum Wandervogel wurde

Wandern ist NICHT doof

Ich bin in den letzten drei Jahren vom Bewegungsmuffel zum Wandervogel mutiert. Erst mit 47 Jahren habe ich das Wandern entdeckt, bin also eine Spätberufene. Wandern fand ich früher einfach nur doof. Ich war frei von jedem Bewegungsdrang. Ja, solche Menschen gibt es. Frische Luft und Sonne genoss ich am liebsten auf dem Balkon, mit einem dicken Buch in meiner Hängematte. Dabei wurde ich natürlich auch selber immer dicker.

Als ich vor drei Jahren bei einem Mentalcoach Hilfe beim Abnehmen suchte, meinte die kluge Bernadette Kälin aus Morschach: «Du musst Dich bewegen.» Ich ärgerte mich. Dafür hatte ich nun so viel Geld für das Coaching bezahlt? Um einmal mehr zu hören, ich müsse Sport machen?
Die Frau erklärte: «Man kann sich einen Bewegungsdrang anerziehen.»
Sie erklärte mir wie. Und siehe da: Es funktionierte.
Ich bin drei Monate lang täglich eine halbe Stunde spazieren gegangen, auch bei Wind und Wetter, manchmal gerne, oft sehr missmutig, lautlose Flüche ausstossend. Und plötzlich wollte ich auch einmal andere Wege gehen, machte weitere Runden, suchte nach ersten Wanderungen.

So wurde aus dem Sportmuffel ein Wandervogel.

Mein Leben hat sich seither extrem verändert. Ich habe wohl noch nie so wenig gelesen, wie in den letzten Jahren. Ich hatte einfach keine Zeit, in der Hängematte zu liegen. Bei Sonnenschein zog es mich in die Berge.  Gerne bezeichne ich mich heute als «Bewegungsmenschen».

Das Wandern macht tatsächlich ein wenig süchtig.
Ich wandere sehr gerne alleine, lieber aber in netter Begleitung.
Manchmal schliesse ich mich sogar Wandergruppen aus dem Internet an.

Nein, ich habe damit nicht abgenommen. (Man kann auch bei viel Bewegung immer noch zu viel essen und das Essen in Berghütten schmeckt besonders gut.) Aber was extrem zugenommen hat, ist meine Lebensqualität, meine Lebensfreude. Ich habe mehr Freude an der Natur, mehr Liebe zu den Bergen, fühle mich schweizerischer als je zuvor. Ich erklomm den Niederbauen, den Fronalpstock, wanderte auch im Tessin und im Appenzell. Später habe ich entdeckt, dass nicht nur die Schweiz ein Wanderparadies ist: Die ganze Welt bietet sich an. Die Schweiz hat zwar das Ricola erfunden, aber Berge gibt es überall. Auf Teneriffa und Mallorca erlebte ich das eindrückliche Bergwandern mit Meersicht.
Einfach herrlich, wenn man mit 47 eine neue Leidenschaft entdecken darf und sich plötzlich völlig neue Horizonte auftun. Das tut der Psyche in jeder Hinsicht gut. Vielleicht wartet noch mehr auf mich und ich muss es nur noch entdecken? Jetzt, mit Fünfzig, bin ich offen für alles.

 

 

Foto: Irgendwo nahe bei Morschach, auf dem Weg der Schweiz, Sisikon-Morschach
Hans und ich finden: Dies ist der schönste Teil des «Weg der Schweiz».

Foto: Furkapass, August 2012

Foto: Teneriffa, 2011, Imbach-Reise